Warum wir die Studienfinanzierung neu aufstellen müssen

In Deutschland gehören heute über die Hälfte eines Geburtenjahrgangs zu den Studienanfänger:innen. Fast eine halbe Millionen Personen haben 2020 ein Studium aufgenommen. Gleichzeitig erhielten nur noch elf Prozent der Studierenden eine BAföG-Förderung. Das entspricht einer Absenkung der Förderquote um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und das trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation, in der sich viele Studierende im letzten Jahr aufgrund der Pandemie befanden.

Es wurde in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die soziale Herkunft und die Bildung der Eltern einen starken Einfluss auf die Bildungschancen im Hochschulsystem haben. Probleme bei der Studienfinanzierung zählen zu einem Hauptgrund dafür, dass Nichtakademikerkinder das Studium abbrechen oder gar nicht erst aufnehmen (nachzulesen z.B. im Hochschulbildungsreport 2020). Dazu kommt das Phänomen der sog. Selbstselektion: Junge Menschen aus schwierigen Lebensverhältnissen sind tendenziell weniger geneigt, langfristig in ihre Zukunft zu investieren und Schulden aufzunehmen, sie entscheiden sich deshalb -trotz BAföG- häufiger gegen ein Studium.

Die Entscheidung für oder gegen ein Studium sollte aber nicht vom sozialen Hintergrund abhängen. Deshalb brauchen wir dringend eine Reform der Studienfinanzierung und schlagen als Grüne folgende Elemente vor:

👉 Basisabsicherung (Garantie-Betrag) für ALLE Studierenden bis 25 Jahre;

👉 zusätzliche, bedarfsabhängige Förderung;

👉 So erhalten Studierende einen Vollzuschuss von bis zu 1062 Euro, der nicht zurückgezahlt werden muss. Die Antragsstellung wird vereinfacht und entbürokratisiert, die Förderhöchstdauer verlängert (Regelstudienzeit plus 2 Semester) und eine Teilzeitförderung ermöglicht.

Studierende bekommen damit nicht nur Geld, sondern auch die nötige zeitliche Flexibilität, sich aufs Studium zu konzentrieren. Für eine Studienfinanzierung, die den vielfältigen Lebens-und Studienrealitäten junger Menschen gerecht wird!

Übrigens: berufliche und akademische Bildung sind für uns gleichwertig! Auch Auszubildende profitieren von dieser Weiterentwicklung des Bafögs und erhalten den Garantiebetrag sowie zusätzlich den bedarfsabhängigen Zuschuss, wenn sie sich in einer vollzeitschulischen Ausbildung befinden.

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