Grüne Wissenschaftspolitik für gute Arbeitsbedingungen und Chancengleichheit

Die Diskussion um Arbeits- und Karrierebedingungen an Hochschulen nimmt endlich an Fahrt auf. Dabei schien es lange so, als wären die prekären Arbeitsverhätnisse in denen sich der akademische Nachwuchs befinden, ein Thema, dass öffentlich keine Resonanz findet. 93 Prozent von ihnen sind in Deutschland befristet beschäftigt und das häufig in Teilzeit und über einen sehr langen Zeitraum hinweg in dem sich Befristung an Befristung reiht.  Dazu kommt, dass eine wissenschaftliche Laufbahn häufig mit einem erzwungenen Ausstieg verbunden ist, wenn nach Ablauf der Qualifizierungsphase keine der, in sehr begrenzter Zahl vorhandenen, Professuren ergattert werden kann. Dies führt zu einem harten Wettbewerb und nicht selten zur Selbstausbeutung von Nachwuchswissenschaftler:in, wie nun durch #IchBinHanna anhand von vielen persönlichen Beispielen bei twitter nachgelesen werden kann.

Bildungsministerin Anja Karlicek machte – als sie im Juni diesen Jahres auf das Thema Befristungen angesprochen wurde– jedoch nicht das Wisssenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG), sondern die Arbeitnehmer:innen selbst für eien verfehlte Karriereplanung verantwortlich. Offensichtlich seien diese nicht in der Lage, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen zu können, so die Ansicht der Ministerin. Diese Reaktion zeugt nicht nur von einer Ahnungslosigkeit gegenüber den Bedingungen an vielen Hochschulen, sie macht auch deutlich, dass ein permanente Unsicherheit vermittelndes System offenbar als adäquates Mittel der Bestenauslese gesehen wird. Dabei steht das System – ganz im Gegenteil – in Konflikt mit dem Gedanken der Exzellenz. Es geht nämlich viel Potenzial verloren, wenn nur diejenigen an Ziel kommen, die trotz wirtschaftlicher Unsicherheit und unklarer Perspektive, bis zum Ende durchhalten.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft macht mit Initiativen wie dem Templiner Manifest, schon seit vielen Jahren auf die prekären Arbeitsbedingungen von Nachwuchswissenschaftler:innen aufmerksam und auch wir Grüne haben bereits vielfach Vorschläge vorgelegt, wie die Situation an den Hochschulen verbessert werden kann. Dazu fordern wir:

  • Klare Regeln für die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familienaufgaben;
  • Ausreichende Mindestvertragslaufzeiten und eine Definition des Qualifikationsbegriffs;
  • Mehr Karriereperspektiven neben der Professur;
  • Eine höhere Grundfinanzierung für die Hochschulen, damit diese weniger stark von Drittmitteln abhängig sind.

Die Hochschulen bilden die Vielfalt in unserer Gesellschaft noch lange nicht ab. Nicht nur Frauen, sondern auch Menschen mit Behinderungen, People of Colour, Nicht-Akademiker:innen-Kinder etc. sind im Wissenschaftsbetrieb unterrepräsentiert. Dies hängt mit den unsicheren Arbeitsbedingungen zusammen, aber häufig auch mit Mechanismen der Ausgrenzung und konkreten Diskriminierungserfahrungen. Chancengleichheit und Inklusion sind aber eine Voraussetzung dafür, dass Perspektivenvielfalt auch gedeihen kann. Auch deshalb ist Diversitätspolitik im Wissenschafts- und Hochschulbereich zentraler Bestandteil grüner Wissenschaftspolitik!

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